Kern der Beziehungsarbeit

Kern der Beziehungsarbeit für Unternehmen

Das Wahre, das Gute und das Schöne

Wie Wirtschaftsunternehmen spirituell wachsen können

Den Kern der Beziehungsarbeit lässt sich am besten beschreiben als Erwartungen,

  • die wir an andere haben, und
  • denen wir gerecht werden sollen.

Die Frage lautet also,

  • was erwartet eine Person von ihren Mitmenschen?
  • Und warum sind die Erwartungen so wie sie sind?

Die Antworten liegen in der Natur des Menschen begründet: Er ist ein soziales Wesen. Sein soziales Handeln und Reden entspricht seinen psychischen Bedürfnissen. Je besser jeder Einzelne von uns die Bedürfnisse der Menschen kennt, desto eher kann er mit anderen Menschen bedürfnisgerecht umgehen, desto größer ist die soziale Anerkennung und desto besser kennt er sich selbst.

 

Bedürfnishierarchie nach Maslow

Wenn wir über menschliche Bedürfnisse sprechen, können wir die frühen und späten wissenschaftlichen Erkenntnisse von Abraham Maslow (1908-1970) heranziehen. Die Darstellung der Maslowschen Bedürfnishierarchie in Form einer Pyramide wird ihm fälschlicherweise persönlich zugeschrieben, ist aber eine Fremdinterpretation seiner Arbeit. Tatsächlich entwickeln sich menschliche Bedürfnisse Maslow zufolge abhängig von der persönlichen Entwicklung und bauen nicht bei jedem starr aufeinander auf:

Dynamische Bedürfnishierarchie nach Abraham Maslow

Dynamische Bedürfnishierarchie nach Abraham Maslow in Anlehnung an Krech, D./Crutchfield, R. S./Ballachey, E. L. (1962), Individual in society, Tokyo etc. 1962, S. 77

1970 ergänzt Maslow weitere menschliche Bedürfnisse: kognitive und ästhetische Bedürfnisse, sowie das Bedürfnis nach Transzendenz (und Spiritualität) — wie hier in der Pyramide zu sehen ist.

Motivation-Maslow-1970

Die bis zur Transzendenz erweiterte Bedürfnishierarchie (1970)

 

Transzendenz & Spiritualität im Unternehmen

Transzendenz (von lat. transcendentia „das Übersteigen“) bezeichnet in Philosophie und Theologie ein Verhältnis von Personen zu einem bestimmten Bereich möglicher Erfahrung. Als transzendent gilt, was außerhalb des Bereiches der normalen Sinneswahrnehmung liegt.

Spiritualität (von lat. spiritus, Geist, Hauch bzw. spiro ,ich atme‘ – wie altgriechisch ψύχω bzw. ψυχή, siehe Psyche) bedeutet im weitesten Sinne „Geistigkeit“ und bezeichnet eine auf Geistiges aller Art ausgerichtete Haltung. Spiritualität steht für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten und beinhaltet die bewusste Hinwendung und aktive Praktizierung einer als richtig erkannten Philosophie oder Religion.

Der Kern der Beziehungsarbeit liegt in der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Warum nicht auch in der Befriedigung des Bedürfnisses nach Transzendenz und Spiritualität?

Gewiss ist ein wettbewerbsorientiertes Unternehmen westlicher Prägung nicht unbedingt ein Ort für Religiosität und sehr selten eine Kirche, aber es ist ein Ort von Menschen für Menschen mit ihren Bedürfnissen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es in unserem Kulturkreis viele erfolgreiche Unternehmen gibt, die bewusst christlich orientiert sind. Auf jeden Fall aber sind viele erfolgreiche Unternehmen von christlichen Werten geprägt.

 

Bedürfnisbefriedigung & persönliche Reifung

Im Zusammenhang mit der Zertifizierung zum 9-Level-Berater habe ich mich mit den Stufen der Ich-Entwicklung und mit Werte-Ebenen beschäftigt, die Individuen, Gruppen und Organisationen im Laufe Ihres Lebens durchlaufen, wenn sie Krisen und Veränderungszwänge zu meistern haben. Das Durchlaufen dieser Werte-Ebenen ist ein Entwicklungs- und Reifungsprozess bis hin zur Selbstverwirklichung. In dem Buch „Gott 9.0 — Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird“ (Rezension) ist dieser menschliche Entwicklungsprozess auf Basis der 9 Level sehr eingängig beschrieben.

So wächst der Mensch nicht nur 1. kognitiv-intellektuell, sondern auch 2. ethisch-moralisch und 3. emotional:

  1. kognitiv-intellektuell — Das Wahre erkennen (Geist)
    Die Echtheit, Ursprünglichkeit, Authentizität, das Wahrhaftige (an-)erkennen, aber auch durch Selbstreflexion echt werden. Hier sind nicht nur Nachdenklichkeit, Demut und Bescheidenheit verortet, sondern auch Wertschätzung, Aushalten und Ertragen dessen, was gegeben ist — egal, ob schön oder unschön.
  2. ethisch-moralisch — Das Gute wollen (Seele)
    Güte und Barmherzigkeit walten lassen, andere Menschen ermutigen, denn hierin liegt ein Großteil von Großmut und Würde des Menschen.
  3. emotional — Das Schöne teilen (Körper)
    Empathie (Einfühlungsvermögen) ist Anteilnahme. Gerade zwischenmenschliche Beziehungen können ein wunderbares Geschenk des Lebens sein — in der Privatsphäre genauso, wie im beruflichen Kontext. Es geht um bedingungslose Zuwendung, Wärme, Nähe, Liebe, Gemeinschaft, Geben und Nehmen.

In diesen 3 Bereichen ist der Ursprung von Herzensbildung und Nächstenliebe zu sehen, der jedenfalls nicht in meinem Konfirmandenunterricht unterrichtet wurde, geschweige denn in Schulen, Unternehmen und Führungstrainings. In dieser Herzensbildung liegt ein Gutteil der Gelassenheit, die weiten Teilen unserer Gesellschaft heute abgeht.

Abgebildet ist der Zusammenhang dieser 3 Wachstumsbereiche in folgendem Bild, wobei jeder Bereich eine interne und externe Ausrichtung aufweist.

Trinität, Spiritualität der Beziehungsarbeit - SL Beziehungsarbeit

In der Überschneidung aller 3 Bereiche findet sich die Erkenntnis, dass alles mit allem zusammenhängt und vielleicht noch weiter reicht, als wir uns das persönlich vorstellen. Hier ist der Bereich der Transzendenz und Spiritualität verortet.

Wir brauchen uns in vom Wettbewerb geprägten Unternehmen nicht unbedingt gezielt diesem 4. Bereich widmen, solange die äußeren 3 Bereiche bei der täglichen Arbeit Beachtung finden.

Die Beachtung dieser 3 Bereiche ist deshalb nützlich, weil Menschen unter Ausübung von (An-)Erkennung, Güte, Zuwendung und Empathie sich wohler fühlen, motiviert bleiben und von selbst hohe Leistung bringen, ohne dass man sie gängeln muss. Auch kann man Menschen in Unternehmen auf diese Weise geistig ein Zuhause bieten, das sie ans Unternehmen emotional bindet.

Dass dieser Ansatz seine volle Berechtigung hat, wird durch die wissenschaftliche Arbeit von Carl Ransom Rogers (1902-1987) untermauert, dessen herausragende Leistung in der Entwicklung der klientenzentrierten Gesprächstherapie und dem Ausbau der Humanistischen Psychologie besteht. Der klientenzentrierte Ansatz ist heute fester Bestandteil der Gesprächsführung in Therapiegesprächen als auch in der generellen Gesprächsführung im Rahmen alltäglicher pädagogischer Arbeit. Der Ansatz basiert auf den Werten Echtheit, bedingungslose positive Wertschätzung und Empathie. Er lässt sich auch auf Gespräche in Unternehmen übertragen, um Beziehungen zu stärken bzw. den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.

 

Achtsamkeit als Voraussetzung

Voraussetzung für die tägliche Beachtung ist allerdings ein Mindestmaß an Achtsamkeit, um Aspekte des Wahren, des Guten und des Schönen zu erfassen. „Aha, also das ist gemeint mit Achtsamkeit im Unternehmen.“ Achtsamkeit verbessert den Kern der Beziehungsarbeit und damit den Erfolg von Unternehmen. Mit den 9-Levels gesprochen bedeutet das: Raus aus dem Orange, denn es gibt mehr als nur Karriere, persönlichen Erfolg, Status, Boni und Gewinnmaximierung. Gerade Familienunternehmen hält mehr zusammen als nur das Geld. Bitte nicht missverstehen: Rendite ist wichtig! Aber es wird zunehmend auch um den Erhalt unserer Ressourcen gehen — den persönlichen sowie den natürlichen.

 

Das Ergebnis für die Führungsarbeit

Der Kern der Beziehungsarbeit setzt sich aus Werten, Haltungen und Handlungen zusammen, die sich aus dem Wahren, dem Guten und dem Schönen ergeben. Zusätzlich hat bereits Joachim Fuchsberger den Kern der Beziehungsarbeit kurz und knapp mit folgenden Werten beschrieben (siehe Artikel):

„Auf den vier großen V beruht unser Leben:
Verstehen, Vertrauen, Verzeihen, Verzichten.“

Ich fasse den Kern der Beziehungsarbeit — angereichert mit dem 5. V für „vereinbaren“ — unter folgendem Symbol zusammen:

Kern der Beziehungsarbeit - SL Beziehungsarbeit - Die fünf großen V

Wie die einzelnen Werte pragmatisch und für ein Unternehmen zielführend ausgestaltet werden, vermittle ich undogmatisch in unseren Führungsseminaren und -Workshops. Wir können Ihnen mit dem Kern der Beziehungsarbeit Impulse für mehr Spiritualität im Business geben — für das Wahre, das Gute, das Schöne und den Erfolg.

 

Ausräumen von Missverständnissen

Wertschätzung ist einfach!

Zuweilen lese ich über Wertschätzung (das Wahre erkennen) und wie diese in Unternehmen praktiziert werden kann. Einige Dinge sind leichter anzuwenden, andere dagegen sehr schwer. So ist es relativ einfach, Wertschätzung innerhalb einer Werte-Ebene (siehe Artikel) zu üben. Über verschiedene Werte-Ebenen hinweg dagegen ist es sehr viel schwieriger, insbesondere wenn es um benachbarte Werte-Ebenen geht. Denn die Abnabelung von einer alten Werte-Ebene hin zu einer neuen ist ein krisenhafter, oft sogar existenzieller Prozess, in dem eine Abstoßungsreaktion durchlaufen wird. Deswegen schreibe ich oben auch davon, dass man das Wahre aushalten und ertragen muss. Allein damit ist dann schon viel gewonnen. Echte Wertschätzung gelingt ab dem gelben Level leichter (siehe Artikel).

Authentizität ist toll!

Dazu habe ich folgende Meinung: Zivilisierte Authentizität ist besser! Was will ich mit jemandem, der offensichtlich ganz authentisch (das Wahre/Echte/Ursprüngliche erkennen), aber dabei unangenehm ist. Im Bewerbungsgespräch bin ich zwar froh, wenn z.B. die unangenehmen und problematischen Seiten an einer Person auffallen, aber ob der Bewerber das gewollt hat? Das Team kann entscheiden, ob es mit bestimmten Eigenschaften einer Person leben kann oder ob die Person erst gar nicht eingestellt wird. Bei einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin, bin ich ebenfalls nicht erfreut, wenn sie neben originären Ideen und Ansichten (die willkommen sind) authentisch ist, aber über Eigenschaften verfügt, die unzivilisiert und nicht teamfähig sind. Aber daran kann man im Sinne des oben Beschriebenen gemeinsam arbeiten.

Was gelegentlich passiert ist, dass professionelles Verhalten als angepasst, daher unauthentisch und vielleicht sogar langweilig abgetan wird. Wirksame Beziehungsarbeit kann in so einem Fall darin bestehen, sich für jemanden zu interessieren und so geschickt Fragen zu stellen, dass das Wahre und Echte zum Vorschein kommt. Nicht einfach! Bequem hingegen scheint es für einige Recruiter zu sein, sich von der Authentizität eines Bewerbers unterhalten zu lassen. Wie entäuschend, wenn ein Bewerber dieser Erwartung nicht gerecht wird! Der nachfolgende Vorwurf, im Interview nicht authentisch genug gewesen zu sein, darf vor diesem Hintergrund den Recruiter als Inkompetenz und Frechheit ausgelegt werden.

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt dann besonders „echt“, wenn sie ein Bild von sich vermittelt, das der Betrachter als real, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrnimmt. Dabei muss es sich nicht um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln. Auch Zuschreibungen von Betrachtern können diesen Eindruck verursachen. Also alles doch nur Schein! Was also soll der Begriff Authentizität? Er ist nicht hilfreich.

 

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Sven Löbel
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